Hier schreibe ich über 
Bücher, anderer Autoren, die mich begeistern, erstaunen, beschäftigen, inspirieren. Neuerscheinungen, Klassiker aus meinem Bücherregal. Gelegentlich auch über Enttäuschungen, Bücher, die zuviel versprochen haben. Aber wie immer gilt, jedes Buch schlage ich mit Neugier auf, bereit, in die Geschichte oder die Bilder einzutauchen...

Efa/Rubio
Monet
Auf den Spuren des Lichts

Ein wundervoller Prachtband ist diese Graphic Novel im Großformat. Die Lebensgeschichte des Malers Claude Monet, sein alltäglicher Kampf, sich und seine Familie überhaupt mit seinen Bildern, die heute unbezahlbar sind, über Wasser zu halten. Der Autor Salva Rubio und der Zeichner Ricard Fernandez, der sich Efa nennt, erschufen eine spannende Geschichte, in Sprechblase und atemberaubend schön gemalten Bildern erzählt. Zu Beginn wird der Maler an den Augen operiert, er soll sich schonen und blickt ins Innere, erinnert sich an sein Leben. Sein Wunsch schon als Junge Künstler zu werden, einen anderen Weg zu gehen, als die akademischen Maler, bei der die Gemälde ausschließlich im Atelier entstehen. Seine Hartnäckigkeit, sein Ehrgeiz, trotz seines entbehrungsreichen Lebens seine Vorstellung von Malerei umzusetzen, den Impressionismus zu erfinden, und schließlich Anerkennung zu finden.  

Die Stimmungen der Szenen sind in Farben eingefangen. Die Gesamtkomposition über die Doppelseiten ist sehr gelungen. Auf den letzten Seiten sind die Bildzitate der Originalwerke von Monet im Vergleich mit den Panels der Graphic Novel dargestellt. Dabei erahnt man, wie viel mehr hinter dem fertigen Buch steckt, ein Mammutprojekt, das den Leser und Betrachter verzaubert und angesichts der Tragik von Monets Leben sehr nachdenklich stimmt.  




Gudrun Wegener
Kreativ sein, kreativ bleiben
Vom bewussten Umgang mit den eigenen Ressourcen

Als Kreativer setzt man nicht nur seine Arbeitskraft, sondern auch die ganze Persönlichkeit
ein, schreibt die Autorin im Vorwort. Mit Hilfe dieses Buches gelingt es, die eigene Schöpferkraft nicht bis zur Erschöpfung zu betreiben. Projektmanagement, Zeitfallen versus Fliegenfallen, die Kunst, ein gutes Ende zu finden u. v. m, erwartet den Leser in diesem inspirierenden Buch. Um die Übersicht bei mehreren Projekten zu behalten, stellt Gudrun Wegener, die selbst als Designerin arbeitet, mehrere Techniken vor, die analog oder digital genutzt werden können. Auch wenn man sich keinen Angestellten leisten kann, so gibt es doch Apps, die einiges an Arbeit abnehmen. Und bleibt am Ende doch noch genug zu tun, so gilt es die richtigen Pausen einzuhalten, das ist wie im Muskeltraining, auch Kreativität braucht Ruhe. Zu guter Letzt stellt die Autorin ihr eigenes Erste-Hilfe-Konzept für Motivationslöcher und gegen Aufschieberitis vor. Ein rundum gelungenes Buch, das sehr ansprechend gestaltet ist und allein schon beim Durchblättern und lesen für Ruhepausen in der Kreativität sorgt.

Buchinfos: 247 S., Hardcover, Rheinwerk Design Verlag


Robert Harris
München
Hörbuch
Gelesen von Frank Arnold

Robert Harris gilt als Spezialist für historische Stoffe, besonders deutsche Geschichte, die er als Engländer brillant weitergedacht hat, wie in seinen Romanen „Vaterland“ und „Enigma“, diesen Roman habe ich besonders gerne gelesen und fand ihn sehr spannend. „München“ spielt im September 1938 – in der bayerischen Hauptstadt oder wie es bald im Nazijargon heißen wird, in der „Hauptstadt der Bewegung“ treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. Der Weltfrieden wird verhandelt und die Spannung zieht sich daraus, dass der Hörer weiß wie die Geschichte ausgeht. Harris schreibt wie immer sehr präzise, man hat das Gefühl mit am Verhandlungstisch zu sitzen. Detailreich und mit besonderen Charaktereigenschaften schildert er die Figuren, auch die des Widerstands. Geschickte Verhandlungstaktik, Winkelzüge kommen zum Einsatz. Trotzdem ermüdet man beim Hören ein wenig, allzu genau wird aus den wahren Dokumenten zitiert. Die Schauplätze sind letztendlich doch zu farblos geblieben, um bei mir Thrillerspannung zu erzeugen.

Hörbuchinfos: Random House Audio, gekürzte Lesung



Heute mal kein Buch, obwohl diese lustigen Grunzkarten aus den Bilderbüchern "Krümel und Fussel" stammen. Ich habe sie Online bei der Autorin Judith Allert und  Illustratorin Joëlle Tourlonias bestellt. www.krümelundfussel.de
Dort gibt es auch noch mehr zu den witzigen Wollschwein-Geschichten, die voll aus dem Leben gegriffen sind. 

Allein der Umschlag der Grunzpost und der Stempel sind ein Vergnügen. FRÖHLICHE SCHWEINACHTEN!!!





Alexander Kluy
George Grosz
- König ohne Land -
Biografie

Endlich gibt es eine umfassende Biografie über den Maler und Zeichner George Grosz, (1893 – 1959). Er war einer der schärfsten Satiriker der Weimarer Republik, aber seine Werke sind zeitlos und dadurch immer noch aktuell. Alexander Kluy zeigt anhand von bisher unveröffentlichten Dokumenten das Leben und den Werdegang dieses großen Künstlers, verknüpft wichtige politische und gesellschaftliche Ereignisse mit persönlichen Erlebnissen von Grosz. Als Georg Groß in Dresden geboren, will er früh Künstler werden, lernt erst in seiner Heimatstadt, wechselt bald nach Berlin, wo er den Dadaismus in Berlin mitbegründet. Dort legt er sich auch den englisch klingenden Namen zu, um der Kaiserregierung und ihrem vorherrschenden Anti-Anglimus etwas entgegenzusetzen. Es folgt der Aufbruch nach Amerika und die Rückkehr in das Berlin der Nachkriegszeit, festgehalten in unzähligen Skizzen, Zeichnungen und Gemälden. „Grosz war eine Augenbestie, ein schamloser Exhibitionist, ein ironischer Lyriker, ein amerikanischer Wedekind, ein Eimer der Pandora! Aber auch ein Entertainer, ein Clown, ein Seiltänzer und Charmeur…Ein Künstler der Extreme, ein Mann grenzenloser Imaginationskraft – und auch Ehemann und Vater.“ Der Leser erlebt den Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts durch den Blick des Satirikers, begegnet wie nebenbei vielen anderen bis heute berühmten Künstlern. Eine Geschichte von Aufstieg und Fall, Leidenschaft und Tragik, quer durch die Welt, grandios erzählt und lange nachklingend.


Buchinfos: 482 S., Hardcover, mit vielen Abbildungen, DVA Verlag







Meine schöne Buchhandlung
Fotografien von Andreas Licht
Texte von Elizabeth Bandulet und Maria Platte

Das Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin, die Hamburger stories!, das Heidelberger WortReich, die Buchhandlung zur Rose in St. Gallen oder Wortwahl – Salon für Buchkultur in München haben eines gemeinsam: Sie sind schön. Das Wörtchen gilt sonst als abgedroschen und zu allgemein, hier trifft es einen Kern. Die ausgewählten Buchhandlungen aus deutschen, österreichischen und schweizerischen Städten sind im Sinne Michael Endes schön, der in einem Interview sagte: „Für mich besteht das Schöne immer dort, wo eine Ganzheit von Herz, Kopf und Sinnen hergestellt wird, also dort, wo der Mensch in seine ursprüngliche Ganzheit wieder zurückversetzt wird.“ (in: „Kunst und Politik“, ein Gespräch zwischen Joseph Beuys und Michael Ende, Freie Volkshochschule Argental)
Die Fotos und Begleittexte machen Lust bei einer Städtereise diese Buchhandlungen zu besuchen. Jede hat ihren eigenen Schwerpunkt, es werden die Inhaber vorgestellt und auch ihre Beweggründe, sich in Zeiten des „Big Players auf dem Buchmarkt“, wie es im Text heißt, zu behaupten. Ein Laden für Bücher kann etwas, was die tollste Internetseite nicht beherrscht, sie spricht die Sinne an und sie stellt eine individuelle Auswahl vor, die dem Leser keine vorgekaute Kost präsentiert, sondern Entdeckungen und literarische Perlen aufspüren lässt. „Eine gute Buchhandlung ist mehr als eine bloße Verkaufsstätte – sie ist ein Ort der Begegnung und der Inspiration.“ Zitat S. 6.
Außerdem ist dieses Querformat-Buch ein Handschmeichler und eine Augenweide, mit Liebe zur Gesamtausstattung wie alle Bücher des Knesebeck Verlags.




Jeff Kinney
Gregs Tagebuch 12
Und Tschüss!

Eine Urlaubsreise über Weihnachten, noch schlimmer für Greg, ANSTELLE von Weihnachten, d. h. es gibt sonst keine Geschenke. Und das noch dazu, wo Greg noch nie in seinem Leben geflogen ist. Im ersten Teil des Buches geht es um die aufregende Flugreise mit allen Details. Endlich am Urlaubsziel, einer angeblich paradiesischen Insel, auf der seine Eltern waren, bevor er und seine beiden Brüder geboren wurden, läuft wie gewohnt vieles schief, oder eben anders als Greg es erwartet und erhofft.
Wer auch immer die Idee hatte, diese Insel als „Paradies“ zu bezeichnen, scheint ein ziemlicher Scherzkeks gewesen zu sein. Bei uns zu Hause stehen die Menschen an der Spitze der Nahrungskette. Aber auf der Isla de Corales frisst alles die MENSCHEN.“, sagt Greg auf S. 201. Wie immer ergänzen die genialen Bilder den Text, die Illustrationen sind also eigenständige Teile der Handlung, das macht die Reihe so besonders. Die Handlung ist allerdings etwas ruhiger geworden, nicht so „gagreich“ wie die ersten Bände der Reihe, wo man aus dem Kichern nicht mehr herauskam, doch wie immer gibt es einen netten Spannungsbogen, die Kunst des Erzählens beherrscht der Autor nach wie vor. GREG und die Familie Heffley hat sich längst einen festen Platz in der Comic-Roman-Welt geschaffen und bleibt einfach ein Lese- und Betrachtungsgenuss!

Hier ist der Link zu Gregs Website.
Buchinfos: 216 S., Hardcover, mit vielen Illustrationen, Baumhaus Verlag




Labor Ateliergemeinschaft
Ich so, Du so
Alles supernormal
Kinderbuch mit vielen Abbildungen

Jeder ist einzigartig! Ein wahrer Genuss für alle Sinne ist das neue Buch der Ateliergemeinschaft Labor, die aus einer Gruppe bekannter Illustratoren und Autoren besteht: Kirsten Fabinski,Zuni Fellehner, Anke Kuhl, Alexandra Maxeiner, Jörg Mühle, Moni Port, NataschaVlahović und Philip Waechter. Diesmal geht’s ums verschieden sein. Einer ist verträumt, einer groß, manche haben eine andere Hautfarbe. Was ist normal? Auf vielerlei Arten nähern sich die Künstler in diesem Buch dem Thema an, das macht großen Spaß, regt zum Nachdenken an und inspiriert, den Alltag und auch den Sonntag aus anderen Perspektiven zu betrachten. Philip Waechters ganz persönliche Katastrophe im ersten Schuljahr und wie sie sich wieder in Luft auflöste oder wenn man verliebt ist, ist nichts mehr normal. Eine Anziehpuppe ohne Genderzwang. Ein Fragebogen zum Ausfüllen oder kopieren und an Freunde zu verteilen. Wie der Adventskalender 1879 entstand, auf recht bescheidene Weise und vieles mehr. Dazwischen und auch zuletzt gibt es Interviews mit sehr persönlichen Fragen, gezeigt werden dazu Fotos aus der Kindheit der Befragten und als Fan der Ateliergemeinschaft darf man raten, wer sich dahinter im heute „gesetzten“ Alter verbirgt.


Buchinfos: 176 S., Paperback, mit vielen farbigen Illustrationen, Beltz & Gelberg Verlag








Ulf Nilsson
Ein Fall für Buffy
Kommissar Gordon-Reihe
illustriert von Gitte Spee
Kinderbuch

Was kann schlimmer sein, als die eigene Mama zu verlieren? Als Kommissar Gordon, ein Kröterich und seine neuen Hilfspolizisten Bert und Gertrud, eine junge Maus und ein Fröschlein, das hören, fangen sie zu weinen an. Und können fast nicht mehr aufhören. Buffy, eine Maus, die seit den vorigen Bänden der Reihe in der Waldpolizei arbeitet, erzählt von dieser Trennung oder eigentlich nicht, denn ihr fehlt die Erinnerung. Ihre Mama war einfach plötzlich weg, zusammen mit ihren vielen Geschwistern. Gordon ermittelt. „Allerdings konnte man bei Mäusen nie so ganz sicher sein…Vielleicht verließen Mäuse ihre Familie und verschwendeten dann keinen Gedanken mehr an die Sache. Man kann nicht davon ausgehen, dass sich alle wie eine ganz normale Kröte verhalten. Wir Tiere sind ja alle verschieden.“ (S. 28/29) Aber wie anfangen, wo sich Buffy doch an nichts erinnern kann? Da hilft bloß dichten, Gordon fordert seine Kollegin auf, Gedichte über ihre Mama zu schreiben und das tut sie und es hilft. Herrlich untermalt von den pastellfarbenen Illustrationen von Gitta Spee, sehen wir (Vor)leser eine Maus im großen Ohrensessel, vertieft ins Reimen. Mit diesen Versen als Reiseführer beginnt die Suche nach Buffys Herkunft. Mitzuverfolgen ist das Ganze im Vor- und Nachsatz auf einer wunderschön gezeichneten Karte. In diesem spannenden Abenteuer lösen Kommissar Gordon und seine Freunde den vielleicht allerwichtigsten Fall. Ein großer Genuss und Lesespaß für Groß und Klein.

Buchinfos: Moritz Verlag, Hardcover, 126 Seiten. Einen Blick ins Buch und weitere Infos, gibts hier. 




Carmen Korn
Zeiten des Aufbruchs
Hörbuch
Gelesen von der Autorin

Die Freundschaft von vier Frauen, die das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg auf ihre ganz persönliche Weise erleben. Wie schon im ersten Teil „Töchter einer neuen Zeit“ teilen Henny, Käthe, Ida und Lina auch in diesem zweiten Teil der sogenannten „Jahrhundert-Trilogie“ Glück und Leid im zerstörten Hamburg miteinander. Nun werden sie endlich belohnt für die Mühen des Wiederaufbaus. Mal spiegelt sich der Erfolg in den eigenen Kindern, mal, wie Lina, die eine Buchhandlung gründet, stellen sie selbst etwas auf die Beine. Ich gehe gerne in Lesungen, höre dem authentischen Ton der Schöpferin ihres Werkes zu. Ein Hörbuch ist für mich allerdings eine andere Ebene als eine Lesung, hier fiel es mir schwer, die schwankende, gefühlsbetonte Stimme der Autorin von der Geschichte zu trennen und somit ganz in den Text einzutauchen. Ich werde wohl besser meiner eigenen Stimme im Kopf folgen und die Geschichte als Buch lesen.


Hörbuchinfos: 9 CDs, gekürzte Lesung, Random House Audio




Markus Orths
Das Zebra unterm Bett
Illustriert von Kerstin Meyer
Kinderbuch

Ohne große Erklärung liegt eines Tages unter Hannas Bett ein echtes Zebra. Gerade als sie
mit ihren zwei Papas umgezogen ist, alles seine Eingewöhnungszeit braucht. Da kommt ein guter Freund an der Seite gerade recht. So kann Hanna sich kümmern, mit dem Zebra die neue Umgebung erkunden. „Bräuninger“, wie das Zebra heißt, begleitet Hanna nicht nur in die neue Schule, es wird sogar ihr neuer Mitschüler, was dem Direktor allerdings missfällt. Doch in der Schulordnung steht nichts über Zebras, und außerdem ist Bräuninger auch noch sehr gut in allen Fächern.
Markus Orths, dessen aktueller Roman „Max“ mich sehr begeistert hat, schreibt nicht nur für Erwachsene in einem ganz eigenen Erzählton. In diesem Kinderbuch gelingt es ihm mit wenigen Worte viel zu sagen. Perfekt ergänzen Kerstin Meyers aufs wesentliche reduzierte Aquarelle den Text. So bestehen Hanna und Bräuninger noch weitere Abenteuer in dieser vergnüglichen, rundum gelungenen Geschichte zum Vorlesen oder Selberlesen.






Andrea D’Aquino
Es war einmal ein Stück Papier
Das Praxisbuch Collagen

Man sieht Fotos, Farben, anregendes Papier und kombiniert es zu etwas Neuem, ergänzt es eventuell noch mit einer Zeichnung oder Wörtern. So entsteht eine Collage, mal ist die Idee vorher da, mal entsteht sie im Machen. „Hören Sie auf zu denken, alles müsse einen Sinn haben“, regt Andrea D’Aquino in ihrem Buch an. Denn oft ist die Kreativität nicht so laut wie der innere Kritiker, der alles in Frage stellt. Einfach loslegen, ausprobieren, mit Papieren und Formen spielen, bringt aber jeden Zweifler zum Staunen. „Machen Sie die ganze Welt zu Ihrer Palette.“ Wie, das zeigt die Autorin auf ungewöhnlich Weise, und sie gibt sogar Starthilfe. Die Inspiration springt die Leserin direkt an. Wer Schere und Kleber parat hat, kann sogar sofort loslegen, denn dem wunderschönen Buch ist eine Papiersammlung beigefügt, schnippeln erlaubt!


Buchinfos:
Hardcover, durchgehend farbig illustriert und Extra mit 50 Buntpapieren, 112 Seiten, Haupt Verlag


Walter Moers & Florian Biege
Die Stadt der träumenden Bücher
Teil 1: Buchhaim
Graphic Novel



Farbenprächtig, fantasievoll und detailreich entfaltet Florian Biege den ersten Teil des großen Romans von Walter Moers in diesem langersehnten Band. Die Geschichte ist für alle Vielleser gemacht, geht es doch um Bücherjäger, Büchermonster, Geschichtenerfinder und -finder, dunkle Antiquariate und unterirdische Bibliotheken. Spätestens jetzt weiß man, dass Hildegunst von Mythenmetz ein Drache ist und ganz Buchhain von nichtmenschlichen Wesen bevölkert ist. Nun hat die persönliche Fantasie, die sich vielleicht selbst (als nur drachenähnliches Wesen) durch die reinen Textseiten von Moers‘ Roman wandeln sah, eine beweiskräftige Ergänzung aus der Vorstellungswelt des Illustrators Florian Biege erhalten. Dass dabei durch die starke Kürzung des Textes, logischerweise hauptsächlich auf Sprechblasen beschränkt, etwas vom Moers’schen Sprachzauber verloren geht, ist schade. Aber uns bleibt ja noch das dicke Buch selbst zum Vergleich.

Buchinfos: Geb. durchgehend vierfarbig, 108 Seiten, Knaus Verlag



Deana Zinßmeister

Das Auge von Licentia

Jugendbuch

Für die einen ist es wie im Mittelalter, das Leben mit Wölfen und einfachen Gerätschaften, für die anderen eine Reality-Show; "Das Auge von Licentia" ist das erste Jugendbuch von Deana Zinßmeister. Sehr gekonnt verbindet die Autorin beide Welten, die voyeuristische Fernsehwelt mit einer zarten Liebesgeschichte. Man merkt wie immer bei all ihren Romanen, dass sie gründlich recherchiert hat, ob Drohnen oder der Umgang mit Wölfen, alles ist stimmig eingefügt. Bis sich das Geheimnis von Licentia lüftet, steigert sie die Spannung von Seite zu Seite und entlässt die Leser atemlos staunend. 

Buchinfos: 
Arena Verlag, Hardcover, 320 S. 












Chris Kraus
Das kalte Blut
Roman

In diesem Roman geht es um die radikale, systematische Vernichtung von Menschen während des zweiten Weltkriegs. Aus Sicht des Täters. Zwei Brüder werden als SS-Männer mit der „Säuberung“ im Osten und Westen des „Großdeutschen Reichs“ beauftragt. Beide lieben sie die Jüdin Ev, die traumatisiert aus Auschwitz zurückkehrt, wo sie zur Folterung von Häftlingen gezwungen wurde. Nach dem Krieg wechseln die Brüder Hub und Koja zu anderen Geheimdiensten, CIA und KGB, dienen als Doppelagenten mal hier mal da der „Sache“. Harte Kost, die anfangs in schönen Bildern und einem lockeren Erzählstil in das Buch zieht. 1974 beichtet der Ich-Erzähler Koja einem Hippie-Leidensgenossen in einem Krankenhaus seine Vergehen. Dabei schweift er immer wieder in melancholische Erinnerungen ab. Koja ist ein Künstler, hält alles mit Graphit auf Papier fest, lernt  Heinrich Himmler kennen und beeindruckt ihn. Sein Bruder Hub möchte den „Zartbesaiteten“ beschützen. Er sorgt dafür, dass Koja versetzt wird, sobald er zu Massenhinrichtungen abkommandiert werden soll, doch eines Tages kann Hub es nicht mehr verhindern. Und Koja ballert ein ganzes Magazin auf einen Säugling. 
Es gibt wunderschöne Metaphern in dem Buch, aber die will man als Leser mit zunehmender Enthüllung der Grausamkeiten nicht mehr genießen. Der Roman erinnert an die wahren Schicksale und pflanzt sie damit in die Gedächtnisse von uns Nachgeborenen ein oder besser, er ätzt sie ein. Der humorige Ton erinnert an Edgar Hilsenraths "Der Nazi und der Friseur", hat aber leider nicht dessen durchkomponierte Wucht. Er ist nur genauso schwer auszuhalten. Durch das ausführliche Nachwort erfährt der Leser die wahren Hintergründe und die schriftstellerischen Vorbilder des Autors. Chris Kraus ist Filmemacher, der u. a. den großartigen Film „Vier Minuten“ gemacht hat. Für „Das kalte Blut“ hat er penibel in seiner eigenen Familiengeschichte recherchiert. Trotz bester Absichten zerfällt der Roman für mich als Leserin aber eher in einen Bericht als in eine runde Gesamterzählung, wie es z. B. Günther Grass’ Die Blechtrommel für mich schaffte. Ein bedrückendes Buch, das durch die bildhaften Szenen womöglich als Film besser funktioniert.  


Buchinfos:
Diogenes Verlag, Hardcover und Ebook, 1200 Seiten


Konstantin Wecker
Das ganze schrecklich schöne Leben
Die Biographie

„Ich reit auf einem Wattebausch die Zeit entzwei.“
Dies ist keine Autobiografie des großartigen Musikers und Dichters, sondern in diesem Buch reflektiert auch sein Tourbegleiter Günter Bauch die gemeinsame Zeit. Ein Drittel der Kapitel stammt vom Herausgeber der bisherigen Wecker-Biografien Roland Rottenfußer. Und natürlich kommt auch Konstantin Wecker selbst kommt zu Wort. Anlässlich seines 70. Geburtstags erschienen, nehmen wir an bitteren und schönen, auf jeden Fall einmalige Erfahrungen teil. Wir begleiten die Entstehung seiner Werke, hören von der Inspiration und erfahren wie Klassiker wie „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ oder „Genug ist nie genug“ entstanden. Sein Werdegang, seine Anfänge und ersten Auftritte werden geschildert, aber auch sein politisches Engagement. Wecker ist ein besessener, verbissener Künstler, der immer für seine Kunst und seine Anliegen eintritt. Eine Zeitlang zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück, wandte sich der Innerlichkeit zu (wie es auf S. 145 heißt), dadurch entstanden Kindermusicals und z. B. die Musik zu Jutta Richters Geschichte „Das Kind auf den Bäumen.“ Gegenwärtig steht er wieder auf Seiten der Hilfsbedürftigen, aber nicht nur er, auch seine Frau und sein Sohn engagieren sich für Flüchtlinge.
Jeder der drei Autoren hat seinen eigenen Blickwinkel auf das Geschehen und so kann sich der Leser selbst ein Bild machen.
Wecker erzählt er von seinem liebevollen Elternhaus. Die Mutter war seine Förderin, stand zu ihm, als er wegen Drogenbesitz verurteilt werden sollte, setzte sich ganz nach vorne und fixierte den Richter während des Prozesses. Der Vater, selbst Musiker und Maler, nahm sein Talent mit ins Grab, förderte aber seinen Sohn von klein auf und wollte aus Konstantin einen Opernsänger machen. Ihm hat er auch ein sehr berührendes Lied gewidmet.
Das vielfältige Buch enthält viele seiner Gedichte und Liedtexte und ist damit ein wunderbares Geschenk für sich als Fan des Münchner Ausnahmekünstlers oder für andere zum Wiederentdecken und begleitendem Wiederhören.


Buchinfos:

Gütersloher Verlagshaus, Ebook und Hardcover, Knaus Verlag, 480 Seiten


Annette Mingels
Was alles war
Roman

Allein das Eingangszitat von Margaret Atwood gefällt mir: Wenn man sich mitten in einer Geschichte befindet, ist es keine Geschichte, sondern nur eine große Verwirrung...ein Durcheinander aus zerbrochenem Glas...Erst hinterher wird daraus eine Geschichte. Das ist für den Roman perfekt gewählt, wie ein Schild an der Eingangstür.  Die Struktur liefern die Kapitel, die sich in fünf Akte gliedern: „Anfangen, Lieben, Verlieren, Weitermachen und Finden“.

Ein Roman über Adoption und die verschiedenen modernen Formen des heutigen Familienlebens. Die Hauptfigur Susa wurde (wie die Autorin Annette Mingels) selbst adoptiert. Als Meeresbiologin betreibt Susa Wurmforschung, was wie eine Metapher für das Wühlen in der eigenen Familiengeschichte steht. Überhaupt die Metaphern in dem Roman gefallen mir, da ist die Icherzählerin mal sichtbar wie ein Fisch im Aquarium, als sie von einem Mann durch das Fenster beim Ausziehen beobachtet wird. Anfangs wird Susa noch nicht selber aktiv, sondern ihre Mutter meldet sich mit einem Brief und möchte sie treffen. Mit zehn erfuhr sie, dass ihre liebenden, fürsorglichen Eltern nicht ihre richtigen Eltern sind und als sie das nun ihrer eher verkorksten leiblichen Mutter erzählt, fühlt sie sich wie bei einer Prüfung. Ihre Kehle ist wie zugeschnürt. Was sie erfährt, lässt sie nicht los, sie forscht selbst nach ihren Brüdern und nach ihrem Vater, hat in ihrem bisherigen Leben zugleich aber auch Schicksalsschläge zu verdauen. Der Leser erlebt nicht nur ihre Familiensuche mit, sondern auch die der anderen Figuren. Jeder hat seine Geheimnisse und zusammen ergeben sie ein buntes Puzzle, der zu diesem besonderen Familienroman führt.


Buchinfos:
Ebook und Hardcover, Knaus Verlag, 288 Seiten





Monika Gause
Adobe Illustrator CC
Das umfassende Handbuch

Ob man sich als Einsteiger mit dem Adobe Illustrator Programm vertraut machen möchte oder seine Kenntnisse erweitern will. Mit seiner klaren Struktur und dem ausführliches Index bietet dieses dicke Buch Lösungsvorschläge für nahezu jedes Problem. Illustrator-Anfänger können sich Seite für Seite durcharbeiten, Workshops erleichtern das Lernen Schritt für Schritt. Schriftgestaltung oder freie Illustration, Produktwerbung oder Industriedesign sind nur wenige Beispiele. Dieses Buch ist ein unverzichtbares Nachschlagewerk, das nicht nur inhaltlich und optisch, sondern auch haptisch sehr gut gemacht ist. Eine Inspiration für alle Sinne! 

Checklisten für die wichtigsten Fragen und Problemfälle erleichtern das Suchen. Die Autorin Monika Gause ist selbst Kommunikationsdesignerin, Dozentin und Software-Trainerin und seit Jahren zuständig für die Handbücher zu diesem Programm. Sie legt hier eine fundierte Neuausgabe vor und beginnt mit der Arbeitsumgebung in Illustrator CC, erklärt dann die Grundlagen einer Vektorgrafik (im Unterschied zu Pixeln, wie sie in Photoshop erzeugt werden) und zeigt in den nachfolgenden Kapiteln die einzelnen Anwendungsmöglichkeiten, jeweils mit ausführlichem Bildmaterial.   

Wie alle Werke des Rheinwerk Design Verlags ist auch dieses Buch unbedingt zu empfehlen. Ein echtes Handwerksbuch für Gestalter, die mit dem Illustrator Programm arbeiten und tiefer in die Geheimnisse der Vektorsoftware einsteigen oder mit Kenntnissen aus Photoshop ihr Wissen mit diesem Programm erweitern wollen. 



Henry Marsh
Um Leben und Tod
Ein Hirnchirurg erzählt

Ärzte sind auch nur Menschen, ja, das erfahren wir hier. Das Zittern und Bangen, wenn es um das Leben eines Patienten geht, wenn es um Millimeter geht, die das Mikroinstrument in das Gehirn vordringt. Wenn Entscheidungen zu treffen sind und Wahrscheinlichkeiten des Überlebens ausgerechnet werden müssen. Wenn das Organ, das uns alles ermöglicht, eben nur ein Organ, schwammiges Gewebe ist. Der englische Neurochirurg erzählt Persönliches, gibt kritische Kommentare und schildert Schicksale seiner Patienten, das nicht selten vom Zufall abhängt. Immer respektvoll ehrlich lernen wir so unser verborgenes Inneres kennen und begreifen medizinische Zusammenhänge. Ein spannendes Buch, das das Wunder Denken, Leben und Träumen erfahrbar zu machen versucht. 

Buchinfos:
Penguin Verlag, Ebook und Taschenbuch, 368 Seiten

Aaron Blabey

Böse Jungs

Band 1 und 2



Ein Wolf, ein Hai, ein Piranha und eine Schlange versuchen sich von ihrem negativen Image zu befreien, immer und überall die Bösen zu sein. Stattdessen wollen sie sich der guten Sache zuwenden und zu Helden werden. Leicht beschlossen, schwer umzusetzen. Um es mit dem Stempel auf dem Cover des zweiten Bandes zu sagen: MISSION UNMÖGLICH. Aber Wolf gibt nicht auf und treibt seine Leidensgenossen an, deren polizeiliches Führungszeugnis wenig vertrauenserweckend ist. Naja, so richtig leiden tun sie eh nicht, sie sind eher auf Spaß aus und der Leser und Betrachter dieser großartigen Bücher ist mitten dabei. Das absurde Bösewichtteam in Anzügen à la James Bond sprüht vor Eigensinn und Einfällen. Am Ende ihrer ersten Heldenreise fühlen sie sich sogar richtig gut und sind voller Tatendrang. Im zweiten Band geht’s weiter mit einer absurden Rettungsaktion. Was, wenn die, die gerettet werden sollen, gar nicht gerettet werden wollen? Egal, am Gutsein müssen schon allen mitarbeiten. Schließlich hat jeder seine Stärken. Frei nach dem Motto des 7. Kapitels: Vertrau mir, ich bin eine Schlange.


Der Australier Aaron Blabey hat eine Comic-Roman-Reihe der besonderen Art erschaffen. Der Autor und Illustrator ist auch Schauspieler, der sein darstellerisches Handwerk auf das Medium Buch zu übertragen versteht. Sogar die Schriftarten arbeiten an der Dramatik der Geschichte und ergänzen die witzigen Zeichnungen. Ein besonderes Vergnügen für Groß und Klein und zu Recht für den deutschen Jugendliteraturpreis 2017 nominiert.

Buchinfos:
Hardcover, Baumhaus Verlag, je 140 Seiten, alle Seiten illustriert.




Zum 200. Todestag von Jane Austen

Holly Ivins
Jane Austen
Eine Entdeckungsreise durch ihre Welt


Dieses optisch sehr schön gemachte Buch ist wirklich auch inhaltlich eine
Entdeckung. Ob bereits bekennender Fan oder Neuling, Jane-Austens Leben, ihre Romane mit den Figuren und Schauplätzen werden auf liebevoll amüsante Weise genau beleuchtet. Wie wurde sie zur Schriftstellerin, wer war ihre Familie?
Oder was ist eigentlich ein Gentleman, und welcher ihrer Romanfiguren erfüllt diese perfekten Maßstäbe und ist trotzdem nicht der beliebteste von allen? Denn laut einer Umfrage würden sich die meisten Frauen für Mr Darcy (aus Stolz und Vorurteil) entscheiden, der durch dieses Raster fällt.
Darüber hinaus erfährt man noch viel zeitgeschichtlich Interessantes. Über die Klassengesellschaft des 18./19. Jahrhunderts in England, die Rolle der Frau und warum Austen wenig Politik in ihren Büchern verarbeitet hat. Wer die Verfilmungen ihrer Bücher schätzt, mag bestimmt auch die Kostüme. Hier wird die aufwendige Garderobe und der streng geregelte Tagesablauf einer jungen Dame, die wie Jane Austen selbst, der sog. „Genty-Schicht“ angehörte, erläutert. An vielen Stellen kommt sie selbst zu Wort. Oder es gibt Querverweise zu ihren Romanen, die neugierig aufs Lesen oder Wiederlesen machen. Holy Ivins hat ein wunderschönes Kompendium zum Verschenken oder sich Selbstschenken erschaffen.

Buchinfos:
Hardcover, DVA Verlag, 241 Seiten





Sven Gerhardt
Die Heuhaufen-Halunken
Illustriert von Vera Schmidt
Kinderbuch ab 8 Jahren



Sommerferien auf dem Land, besser gesagt im Dorf Dümpelwalde, der Name ist Programm. Kein Freibad weit und breit. Die einzige Attraktion ist der Hahn Pavarotti, der jeden im Dorf mit seinem Gekrähe früh morgens schon aus den Federn treibt. Das könnten öde Ferien werden, aber nicht für die Heuhaufen-Halunken, eine Bande Kinder, die krumme Dinger drehen wollen. Zusammen stellen sie einen Ferienrettungsplan auf. Sie versuchen den alten Volvo wieder zum Laufen zu bringen, der in der Scheune bisher als Bandenquartier gedient hat, um ein paar Tage zum nächsten Schwimmbad zu verreisen. Operation Badehose! Anführerin Meggy hat alles fest im Griff. Zumindest bis ein Stadtjunge dazukommt und Mitglied werden will. Aber Meggy weiß, dass man an den Augen eines Menschen erkennt, wer zum Halunken taugt. Nur so kann man sein Gegenüber einschätzen. Bald klärt sich, ob der piekfeine Berliner Junge Freund oder Feind ist. Dieser Kinderroman sprüht vor Witz und Spannung. Unterstrichen wird das Lesevergnügen von den herrlichen zweifarbigen Illustrationen von Vera Schmidt.
Besonders gefallen haben mir auch die „Bauernweisheiten“ als Kapiteltitel. Dies ist ein Start in eine vielversprechende Abenteuerreihe.


Buchinfos:

Hardcover mit vielen Illustrationen von Vera Schmidt, cbj Verlag, 160 Seiten



Sempé
Für Bücherfreunde
Cartoons

Alles dreht sich hier um das Entstehen von Büchern, die Gefühle der Autoren. In den feinen Zeichnungen, die immer liebevoll auf ihre Figuren blicken, gibt es viel zu entdecken. Sempé nimmt den Literaturbetrieb aufs Korn, wie es nur jemand versteht, der mitten drin steckt und es bestimmt im Laufe der Entstehung seiner vielen Bücher selbst erlebt hat. Die guten Ratschläge, die angehende Autoren zu hören kriegen. Wie entstehen Romane? Wie hält man Ideen fest? Wie vermittle ich einem Verleger, dass ausgerechnet mein Roman den schweren Vorhang der bisher düsteren Literatur erhellen wird? Wie kann ein Autor das Marketing selbst vorantreiben? Am besten mit einem Spruchband, das ein Flugzeug über einen vielbevölkerten Campingplatz zieht. Die herrlichen Zeichnungen brauchen oft keine Worte, manchmal auch längere Sprechblasen oder Begleittexte, die dem Bild eine völlig andere Bedeutung verleihen. Enthalten sind auch Geschichten über mehrere Seiten oder auch Sempés große Kunst mit wenigen Strichen eine Szene festzuhalten.  

Ein Geschenk für Literaten und alle, die an und in Büchern die Welt messen.

Buchinfos:
Hardcover, um farbige Cartoons erweiterte Neuausgabe, Diogenes Verlag, 112 Seiten





Val McDermid
Anatomie des Verbrechens

Alle Krimis der Autorin sind megaspannend. Kein Wunder Val McDermid recherchiert sehr genau und hat durch die Fülle ihrer Bücher und Themen im Laufe der Jahre viele Experten befragt. Hier gibt sie nicht nur Einblicke in ihre Recherchen, sie schildert auch wahre Verbrechen und wie sie aufgeklärt wurden. Das Fachbuch über Forensik zeigt wie die Ermittler im Laufe der Zeit mehr und mehr Details in die Analyse eines Verbrechens einbezogen, um Todeszeitpunkt, -ursache festzustellen oder überhaupt einen Täter aufzuspüren. Das Kapitel „Pathologie“ klärt leider auch nicht über den Übersetzungsfehler auf, der sich hartnäckig im Deutschen hält (besonders bei Fernsehkrimis). Pathologen sind in Deutschland Experten, die Gewebe untersuchen. Korrekt heißt es Rechtsmediziner (nur in Österreich Gerichtsmediziner), nur sie, helfen der Polizei bei der Aufklärung verdächtiger Todesfälle. Aber dieses Manko sei verziehen. Gestalterisch sehr gelungen, ist eine Fliege auf den Seiten abgedruckt, die man beim Durchblättern am liebsten wegwischen möchte. Nicht nur im Kapitel „forensische Insektenkunde“, in dem erläutert wird, auf welche Weise die winzigen Tiere sogar einen weltweit gesuchten Serienmörder überführen können. Ein Sachbuch für alle Krimifans und –autoren, zum Nachschlagen, aber auch zum gruseligen Drinschmökern.

Buchinfos:
Paperback mit vielen Abbildungen und einer (oder vielen Fliegen), Knaus Verlag, 380 Seiten
  




Henrik B. Nilsson
Das geheime Manuskript des Hermann Freytag

 
Als leidenschaftliche Leserin und Autorin lese ich natürlich auch sehr gerne Bücher, die sich um Bücher und ihre Entstehung drehen. Wenn möglich verschachtelt mit ungewöhnlichen Blickwinkeln. Dies bekam ich mit dem „geheimen Manuskript“. Henrik B. Nilsson ist ein schwedischer Autor, der in Deutschland aufgewachsen ist und hier über das Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts schreibt.
Wien 1910, der Held, Hermann Freytag, genießt mit allen Sinnen seinen Ruhestand. Es beginnt mit einem kurzen Epilog, in dem es um einen bedeutungsschweren Brief an die vatikanische Bibliothek geht. Hier geht es also mehr als „nur“ um Literatur, die große Politik hält ihre Fahne hoch. Beim Mokka in einem Wiener Kaffeehaus ahnt Freytag noch nicht, dass sein neuer Auftrag, einen Autor beim Verfassen eines Manuskripts zu unterstützen, das gemütlich eingerichtete Pensionsleben ins Wanken bringen wird. „Wenn der Komet vorübergezogen wäre und die Kopfschmerzen sich gelegt hätten, würde alles weitergehen wie bisher“, heißt es im letzten Kapitel. Dazwischen liegen herrlich kunstvoll geschriebene über 500 Seiten für Bücherfans, die Spaß an Sprache und feiner Wortwahl haben.   

Buchinfos:

Taschenbuch, btb Verlag, 575 Seiten



Gabriel Rolón
Der Psychologe

Seit der genialen Fernsehserie „Fitz“, lese ich gerne Romane, die einen Psychologen zum Ermittler machen. Der Autor, ein Argentinier, nimmt sich Zeit für den Ausbau der Figuren und so ist sein Kriminalroman viel mehr als die Aufklärung eines Falls. Dadurch haben auch wir Leser die Möglichkeit differenzierter hinzusehen, mehr als wir es vielleicht bei einem Polizeikrimi täten. Wie es sich für einen überragenden Psychologen gehört, ist Pablo Rouviot ein genauer Beobachter. Auch wenn er eigentlich ein Mann der Sprache ist, so weiß er, dass oft mehr hinter schnell dahin gesagten Worten steckt. Durch Körpersprache und Signale seiner Patienten nimmt er versteckte Botschaften auf. So geht die Bitte einer jungen Frau, die um ihren Vater trauert, bald über ein gewöhnliches Gutachten in den Stunden seiner Praxis hinaus. Nach und nach wird er in verbrecherische Machenschaften gezogen. Der Autor weiß wovon er schreibt, Rolón ist selbst ein sehr bekannter Psychoanalytiker in seiner Heimat. Den Leser erwartet kein reißerischer Krimi, sondern ein subtiler Spannungsschmöker, der, wenn man sich darauf einlässt, bis zur letzten Seite fesselt und lange nachklingt. Mit der Frage, wie hätten wir entschieden, wenn... 

Buchinfos:

Taschenbuch, btb Verlag, 379 Seiten





Markus Wäger
Das ABC der Farbe

Vom reinen Weiß bis zur absoluten Dunkelheit. Um Schwarz zu sehen, stellt man sich am besten einen Tunnel oder eine Höhle vor, die schnurgerade in die Tiefe eines Berges führt. Absolutes Weiß zu erfassen, ist uns nicht möglich, weil wir ohne Verletzung der Augen nicht direkt in das reinste Weiß, das Licht der Sonne blicken können. Auf welche Weise nehmen wir überhaupt Farben wahr? Wir brauchen Licht, um Umrisse zu erkennen, uns in der Dunkelheit zu orientieren. Ohne Schatten würden wir eine Kugel nicht als Körper wahrnehmen, sondern als Scheibe. Vor Goethe und seinem faszinierendem, ästhetisch schönen Aquarellfarbkreis kam Newton, der mit Prismen experimentierte, aber auch eine Analogie der Farben zur Akustik zu sehen glaubte. In diesem Buch erfahren wir alles von den Farben und ihrer Wirkung und erhalten übersichtliche Tipps für die Anwendung in der Praxis. Ein Index hilft bei der schnellen Suche nach bestimmten Begriffen, wie Tonwertspreizung (was ist das überhaupt?), Sättigung und dem Unterschied zwischen Magenta, Purpur und Rosarot. Allein das Blättern in diesem Buch ist ein Sinnesgenuss. Leichtes, griffiges Papier, ein Lesebändchen und hervorragende Illustrationen. Knappe, fundierte Texte erläutern die Bildbeispiele. Es enthält Mischverhältnisse für bestimmte Farbtöne, Farbskalen und Vorstellungen der verschiedenen Anwenderprogramme. Auf Grund des handlichen und doch relativ großen Formats können wir uns vor der eigenen gestalterischen Arbeit inspirieren lassen, so in die Farbenwelt eintauchen und beim Lesen die schönen Fotos und Farbbeispiele auf uns wirken lassen. Ein Buch, das am besten den Schreibtisch nie verlässt. Damit ist Bildbearbeitung von jetzt an ein pures Vergnügen.


Buchinfos:

Hardcover, Rheinwerk Design Verlag, vollfarbig illustriert, 394 Seiten






Philipp Barth
Das Buch für Ideensucher
Denkanstöße, Inspirationen und Impulse für Kreative

Dieses Buch ist ein feiner Kompass, der durch das Chaos der kreativen Möglichkeiten führt, kein Einmalratgeber. Es liefert nicht nur Theorie, sondern gibt konkret und praktisch Tipps, die ganz auf den Alltag des Ideensuchers abgestimmt sind. Auf unterhaltsame Weise bietet Philipp Barth eine Fülle von Anregungen, verspricht ein Routine-Start-Programm, das nach einiger Übung abgerufen werden kann und lockert alles mit Beispielgeschichten von erfolgreichen Kreativen auf. Einblicke, in umgesetzte Ideen, die die Welt beherrschen, und dabei einst alles nur Keimlinge von Kreativen waren. Das macht Spaß und liest sich spannend. Anhand von Übungen, Techniken und Checklisten lässt sich das Erfahrene anwenden. Optisch anspruchsvoll gemacht, mit gelb markierten Sätzen, die Wesentliches herausheben, wirkt das Buch wie ein künstlerisches Notizbuch. Spätestens nach dieser Lektüre wird man vom Suchenden zum Ideenfinder, garantiert.

Buchinfos:
Hardcover, Rheinwerk Design Verlag, 285 Seiten


Tomi Ungerer
Warum bin ich nicht du?
Antworten auf philosophische Fragen von Kindern

Ein herrliches Buch, das keine Tabus kennt. Tod und Liebe, Gefühle wie Angst, Einsamkeit und Selbstsicherheit, Sachfragen, wer den Himmel gebaut hat oder ob Steine denken können kommen zur Sprache. Auf erstaunliche Fragen, erhält der Leser manchmal absurde, aber nie geschwätzige oder belehrende Antworten des Autors. Genau wie in seinen großartigen Kinderbüchern nimmt Ungerer die Kinder ernst, erinnert sich manchmal dabei an seine eigene Kindheit und erzählt. Man erfährt welche Kosenamen seine achtzigjährige Mutter ihm, der schon fünfzig war, gab. Gefragt hatte die neunjährige Rebecca, ob wir für unsere Eltern immer Kinder bleiben werden. Muss man groß sein, um erwachsen zu sein? Ungerer erzählt von einer Kleinwüchsigen, die sich auf ein Podest stellte und rief: Nur weil ich klein bin, seid ihr noch lange nicht groß! Oder der siebenjährige Alexandre will wissen, ob man aus Liebe sterben kann. Ungerer sagt darauf, dass wir nur die Macht haben, ein einziges Leben der Leere und dem Nichts zu entreißen, nämlich das eigene, für das man selbst verantwortlich ist. So lässt sich sogar der Tod besiegen.
Hinten im Buch gibt es ein Themenregister, das die herrlichen Fragen noch einmal auflistet. Ein großes Lesevergnügen, das mit Ungerers Illustrationen zusätzlich bereichert wird.

Buchinfos:
Hardcover, Diogenes Verlag, 192 Seiten


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen